Langlauftraining vs. Engadin Skimarathon

Während der Vorbereitung auf meinen dritten Engadin Skimarathon hab ich diese Woche eine Premiere erlebt. Ich habe auf richtigen Langlaufskiern ein Schneetraining absolviert. Beim ersten Engadiner war es Teil der Abmachung, ohne Langlauferfahrung anzutreten. In der Phase vor der zweiten Teilnahme hat sich einfach kein Training auf den schmalen Skiern ergeben.

In der vergangenen Skiferien-Woche hat sich nun die Möglichkeit ergeben, dass ich eine Langlaufausrüstung auslehnen durfte und so auch mal ein Training im Schnee zu absolvieren. Eine kurze Einheit von ca. 45 Minuten war ein völlig anderes Langlauf-Erlebnis als die beiden Marathons (Marathone? Marathöner?) durch das schöne Engadin. Auch wenn es sich um die gleiche Disziplin handelt, kann ein Training bekanntermassen nicht mit der Wettkampfsituation verglichen werden. Doch was ist angenehmer? Empfiehlt sich eher eine 6 Kilometer-Runde im verschneiten Grindelwald an einem beliebigen Nachmittag? Oder favorisiere ich den 42 Kilometer langen Marathon quer durch das Engadin? Nun, da ich endlich den direkten Vergleich habe, möchte ich diese beiden Varianten der Ausübung des Langlaufsports gegenüberstellen. Mangels Erfahrung, sowohl an Langlauf-Trainingseinheiten aber auch an Skimarathonen (Skimarathoni?, Luca Toni?), muss ich in meinen Ausführungen auf meine 3 persönlichen Erlebnisse (2x Skimarathon, 1x Langlauftraining) zurückgreifen.

Der direkte Vergleich des Engadin Skimarathons (ESM) mit dem Langlauf-Training (Tr):

Strecke:

  • ESM: Der Skimarathon ist lang (42.195 Kilometer)
  • Tr: Das Training war etwas kürzer (ca. 6 Kilometer)

Teilnehmer:

  • ESM: Ca. 12’000
  • Tr: Auf der Trainingsloipe in Grindelwald sind mir ca. 6 andere Langläufer begegnet

Wetter:

  • ESM: Schön. teilweise bewölkt, aber grösstenteils sonnig.
  • Tr: Durchzogen. Grauer Himmel

Wind:

  • ESM: Zum Teil (vor allem am Flugplatz Samedan) starker Gegenwind
  • Tr: Ständiger leichter Gegenwind

Loipenzustand:

  • ESM: Frisch und extrem gut präpariert. Auch nach tausenden von Läufern (zumindest auf den ersten 25-30 Kilometern noch in gutem Zustand.
  • Tr: Gut präpariert. Allerdings lagen zwischen der Präparation und meinem Training einige Stunden und ca. 2 Zentimeter Neuschnee, was sich für mich als äusserst mühsam darstellte.

Schneetemperatur:

  • ESM: Die Temperaturen sind tief, der Schnee dadurch relativ schnell und überhaupt nicht klebrig.
  • Tr: Der Schnee ist extrem klebrig. Fährt man in den frischen und nassen Schnee, wird man beinahe aus den Schuhen gerissen.

Ski:

  • ESM: Der Ski wurde im Fachgeschäft gemietet und professionell gewachst.
  • Tr: Der Ski ist ausgeliehen und nicht frisch gewachst. (Vielen Dank, André!)

Intensität:

  • ESM: Nach ca. 20 Kilometern wirds sehr anstrengend.
  • Tr: Nach etwa 50 Metern fand ichs schon äusserst anstrengend.

Gleitvermögen:

  • ESM: Mit einem Mal abstossen gleitet man (in flachem Gelände und nach ein paar Kilometern üben) etwa 5 Meter.
  • Tr: Mit einem Mal abstossen „gleitet“ man etwa 1 Meter.

Zuschauer:

  • ESM: An vielen Orten entlang der Strecke wird man von hunderten von Zuschauern angefeuert.
  • Tr: Ab und zu fährt auf der Strasse nebenan ein Auto vorbei.

Mitstreiter:

  • ESM: Zusammen mit Freunden erlebt man auf der Strecke so einiges. Stürze und Wackler werden von der gesamten Gruppe gefeiert.
  • Tr: Auf der Trainingsfahrt hab ich mit einem Herrn gesprochen, als ich ihn auf der Loipe nach dem Weg gefragt habe.

Verpflegung:

  • ESM: Etwa alle fünf Kilometer passiert man eine Verpflegungsstation mit Bouillon, Rivella, Bananen, Schokolade und Reisküchlein.
  • Tr: Nach der 45 Minuten Runde koche ich mir einen Teller Pasta.

Angewöhnungsphase:

  • ESM: Zu Beginn der Strecke fährt man 10 Kilometer lang über gefrorene Seen. Diese sind natürlich ganz flach. Dadurch hat man viel Zeit, sich an das ‚Langläuflen‘ zu gewöhnen.
  • Tr: Flach ist die Strecke eigentlich nirgends. Und nach fünf Minuten muss man sich gleich das erste Mal einen Hügel hochkämpfen.

Natürlich ist der Ernstkampf bedeutend interessanter und die Motivation ist durchaus höher, wenn man zusammen mit tausenden anderen Hobby-Athleten am Start in Maloja steht. Aber natürlich ist das Training eine wichtige Voraussetzung, um das Ziel in S-chanf zu erreichen. In den letzten zwei Jahren absolvierte ich die Vorbereitungszeit vor allem auf dem Fussballplatz und mit dem Tera-Band, was für Ausdauer und Kraft sicherlich auch nicht schädlich ist. Nun hab ich mich auch mal in der Vorbereitungszeit auf die schmalen Streichhölzer gewagt. Ob mir dies Anfangs März bei der 42 Kilometer-Fahrt durch das Engadin hilft? Eine einzelne Einheit wohl kaum. Man muss kein Prophet sein, um sagen zu können, dass man regelmässig auf Schnee trainieren sollte, wenn man einen positiven Effekt für den Wettkampf erzielen will.

Zumal ich jedoch den Engadiner bereits zwei Mal beendet habe, und das Absolvieren der 42 Kilometer mein Hauptziel ist, bin ich zuversichtlich, dass der Engadin Skimarathon 2014 auch ohne regelmässiges Langlauf-Training wieder zu einem grossartigen Erlebnis wird.

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